Gottes Auftrag für seine Gemeinde

Die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt, lautet: Wir sollen einander lieben. (…) Christus gab sein Leben für uns hin; daran haben wir erkannt, was Liebe ist.“(1.Joh.3, 11.16)

Gottes Auftrag für seine Gemeinde auf dieser Welt ist es, die Liebe, die radikale Hingabe, die er durch Jesus gezeigt hat, zu verkörpern. Diese Liebe lässt sich nicht nur durch religiöse Moral, durch Theorie oder ein Verweisen auf ein besseres Jenseits umsetzen. Im Gegenteil: sie glaubt alles, hofft alles, gibt alles (1.Kor.13)…sie verschwendet sich und hört niemals auf. Diese Liebe hat keine Grenzen. Und damit ist sie der radikalste Störfaktor dieser Welt. Sie ist der krasseste Gegensatz zum Leben aus der Existenzangst der kapitalistischen Systeme, denn sie gibt sich selber hin, ohne nach dem individuellen Nutzen zu fragen. Für sie ist geben noch nicht mal eine moralische Doktrin, sondern pure Freude.

Diese Liebe beinhaltet ein völlig anderes Menschenbild, als das des homo oeconomicus (des egoistischen und nutzenmaximierenden Individuums): sie sieht die Menschen nicht als Wölfe unter Wölfen, die in Konkurrenz zueinander stehen, sondern als individuelle Träume Gottes, geschaffen um zusammen Gottes großen Traum der Beziehung zu uns zu verwirklichen.

Diese Liebe als Gegensatz zur Grundstruktur der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist aber auch die Basis und gleichzeitig die noch fehlende Vollendung emanzipatorischer und aufklärerischer Bestrebungen. Emanzipation, die auf solch einer Liebe Gottes basiert, weiß sich nicht mehr durch Glauben bedroht. Sie begreift vielmehr, dass der Glaube an etwas, das nicht vollkommen durch unsere Erkenntniskategorien erklärbar und beherrschbar ist, keine Fremdbestimmung sein muss. Im Gegenteil: Sie erkennt freiwillige Hingabe im Glauben und Liebe als die Grundlage des Ausgangs des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.

Diese Liebe, als Auftrag Gottes für sein Volk schlägt sich nicht nieder in moralischer Reinheit und Doktrin, nicht in neuen Denkgebäuden oder der richtigen Lehre, denn auch das wäre wieder nur ein Herrschen oder der Versuch etwas zu kontrollieren. Diese Liebe ist gerade dadurch, dass sie alle Kontrollansprüche aufgibt, der Sand im Getriebe dieser Welt.

Darüber hinaus zeigt sie sich in der Befreiung von Angst, von Existenzangst, von der Angst der Menschen voreinander - also in bedingungsloser Solidarität, in Gerechtigkeit und radikaler Weltzugewandheit, in der Liebe zum Leben …im Alltag. Gottes Auftrag für seinen Leib ist es, in den Widersprüchen des Alltages und dem Leiden der ganzen Schöpfung zu lieben. Das ist unglaublich schwer und paradox. Das konfrontiert einen mit der Unmöglichkeit, Liebe in einer Welt zu leben, die durch Angst und Egoismus geprägt ist. Das kann sich leider deshalb manchmal nur in einem befreienden Nein zu Lüge und Konkurrenz zeigen.

Und trotzdem hat Gott uns keinen geringeren Auftrag, als diesen gegeben. So verweist die theoretische Erkenntnis, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt, uns nur auf eines…auf das Handeln, auf Christ-Sein als Alltagsarbeit, als ein Sich-Mühen an dieser Welt und an den Menschen, die darin am wenigsten eine Stimme haben, als leises subversives Liebesunterwandern, als Hingehen und Hinsehen mit der kleinen Kraft die wir haben, im Vertrauen darauf, dass diese kleine Kraft durch die unerschöpfliche Kraft von Gottes Liebe in dieser Welt ergänzt wird und dass Gott uns mit dieser Liebe füllt.

4 Reaktionen zu “Gottes Auftrag für seine Gemeinde”

  1. storch

    ich bin nicht so sehr in diesem kapitalismusstreit drin. aber meiner ansicht nach ist der kapitalismus ein modell in dem ich als christ sehr gut leben kann. gerade wenn er in form einer sozialen marktwirtschaft daherkommt.

    interessant ist, dass die liebe das erkennungszeichen der christen ist. das ist definitiv ein unterschied zur welt und verhindert, dass wir zum homo oeconomicus (so wie du ihn definierst) werden. wir sind halt nicht von dieser welt…

    ich freu mich auf diesen blog. hab schon schnell den feed abonniert und bin gespannt, was kommt!

  2. Chrisse

    Hi ihr Beiden!

    Jetzt seid ihr also im digitalen Gedankaustausch mit dabei und ich bin auch gespannt, was von euch zu hören! Habe bei Micha euren Link entdeckt.

    Zum Thema: Ich studiere ja Design und da ist das ganze Thema echt häufig mit dabei. Themen wie “emotionalen Mehrwert schaffen” und “Verkaufsoptimierung” sind da natürlich immer im Programm … das ist echt schwierig für mich. Ich weiß mich da immer nicht so richtig einzuordnen. Wo sind die tragbaren Grenzen der Gewinnsteigerung, was ist gelogen, was is ehrlich, …?
    Alles gar nicht so leicht. Vielleicht habt ihr ja da Gedanken dazu.

    Ach übrigens Design- euer Hintergrund mit dem Planeten sieht gerade noch so ein bisschen New-Age-mäßig aus.

    Viele Grüße vom “Chemnitzer-im-Herzen”-Chrisse aus Dessau!

  3. Anne

    Moin Storch,
    herzlich willkommen auf unserem Blogg… kommt in den näxten Tagen noch einiges zu Erkenntnistheorie und Hiob rein, was dich bestimmt interessieren wird ;-) .
    Meiner Meinung nach ist der Kapitalismus ein System, dass den Prämissen der Bibel fundamental widerspricht und Egoismus (individuelle Nutzenmaximierung) als “Ursünde” nicht eindämmt, sondern sogar noch gesellschaftlich belohnt. Dazu gibtś auch einen aktuellen Artikel im Kranken Boten: “Ist Kapitalismus Sünde: Ein fiktives Streitgespräch” von mir und Micha (Chemnitz).
    Jonathan und ich halten übernäxtes Wochenende nen Vortrag zu “Ist Gottes Liebe käuflich?” an der FTA und posten dann auch eine kurze Zusammenfassung auf diesem Blogg, die das Ganze theologisch ein bissl besser fundiert. Bis denne Anne

  4. Micha/little helper

    Hi Chrisse. haste eigentlich auch nen Blog?
    Wenn nich, warum eigentlich?

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