Die Wahrheit beginnt zu zweit

Jetzt erkenne ich unvollkommen,
dann aber werde ich durch und durch erkennen,
…so wie ich auch
durch und durch erkannt worden bin.

Jesu Botschaft vom Kreuz war schon damals den Juden, wie den Griechen „eine Torheit“ . Genau das ist es, was mich an Jesus berührt, dass er keine elitäre neue Wissenschaftstheorie aufgestellt hat, weil er schon immer die Grenzen der Vernunft (Kant) erkannt hatte, die ich oben schon beschrieben habe. Er hatte erkannt, dass menschliche Vernunft allein nicht zu Liebe und Solidarität führt, sondern dass Erkenntnis ohne die Voraussetzung des Glaubens tot ist. Deshalb tat er etwas, was für alle, für religiöse Moralapostel wie für aufklärerische Gelehrte das Lächerlichste und Dümmste überhaupt sein konnte.
Er tat etwas, was vernünftig allein keinen Sinn ergibt, weil es vollkommene HINGABE, LIEBE ist. Er starb am Kreuz und machte sich selbst zum Narren für alle. Er erkannte und erkennt uns mit unserem Hunger nach Liebe und Einheit und tat das einzige, was wirklich diesen Hunger stillen konnte, indem er die Verbindung zum Ursprung der Liebe wieder möglich machte… ähnlich wie in dem Gedicht von Erich Fried über die Liebe…“Es ist Wahnsinn, sagt die Vernunft…es ist, was es ist, sagt die Liebe“.

Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
Doch am größten unter ihnen ist die Liebe.
1. Kor.13,9-13

Gotteserkenntnis ist nach Kant nicht durch Wissen möglich, sondern zeigt sich im Handeln. Die Bibel beinhaltet keine Aufforderung zu metaphysisch begründeter Irrationalität, sondern dazu, innerhalb der Begrenzung unserer Erkenntnis, bestmöglich, also so liebevoll wie möglich zu handeln. Liebe in diesem Sinne umfasst Geduld, Güte, Uneigennützigkeit, Gerechtigkeit, Sanfmütigkeit, Vertauen und Hoffnung (1.Kor.13) und somit vor allem auch Suche nach der Wahrheit im Interesse einer Welt, in der Menschen solidarisch und nicht in Konkurrenz miteinander leben, lieben und kämpfen können.

Einen Kommentar schreiben