Hiob 2 - Die Unerklärbarkeit des Leides
Hiob - depressiv bis hin zu ständigen Suizidgedanken, anklagend und zudem noch schwer von seiner körperlichen Krankheit und Geschwüren gezeichnet – sucht nach einer Erklärung seines Leides. Warum ging es ihm, „der Gott ernst nahm“ (Hiob 1,1), so schlecht? Warum geht es uns oft nicht gut, wenn wir versuchen, Gott so gut es geht nachzufolgen? Warum greift Gott nicht ein und verschafft denen, die versuchen, gerecht zu handeln, Recht?…getreu nach dem Motto: „Wie glücklich ist der Mensch, der Freude findet an den Weisungen des Herrn (…) Er gleicht einem Baum, der am Wasser steht. (…) Was immer ein solcher Mensch unternimmt, es gelingt ihm gut“ (Psalm 1, 2 und 3).
Die drei „Freunde“ Hiobs führen alle möglichen religiösen Erklärungsmuster ins Feld, um Hiobs Leiden zu rechtfertigen. „Du untergräbst das Fundament des Glaubens, machst frommes Leben ganz und gar unmöglich! Es ist die Schuld, die dich so reden lässt, auch wenn du sie mit schlauen Worten leugnest!“ (Hiob 15,4 und 5).
Hiob wendet sich gegen die fromme verkürzte Ethik seiner „Freunde“, die Leid als Folge von persönlicher Schuld definieren. Er verteidigt sich gegen ihre Rationalisierungsversuche eines Leides, das für ihn einfach nun mal nicht zu verstehen ist. Er kämpft mit der Wut eines Stieres an gegen ihre falsche Demut - eine Demut, die schnell zur Lüge wird, wenn sie versucht, Unbegreifliches wegzuerklären, Widersprüche zuzudecken: „Ihr selbst seid ratlos, deckt es zu mit Lügen; Kurpfuscher seid ihr, die nicht heilen können. (…) Tut ihr´s für Gott, wenn ihr so schamlos lügt? (…) Warum ergreift ihr denn Partei für ihn? Müsst ihr ihn etwa vor Gericht vertreten?“ (Hiob 13, 4-8)
Irgendjemand hat mal gesagt: „Die Christen sind die einzige Armee auf der Welt, die auf ihre Verwundeten schießen, wenn sie schon am Boden liegen.“…Selbstgerechtigkeit und Gesetzlichkeit…wir schließen die, die schon innerlich krank sind, noch sozial aus und töten sie damit geistlich… Wie oft versuchen wir selbst, unser Unvermögen angesichts der widersprüchlichen Wirklichkeit mit Standardantworten zu kompensieren und das Unerklärliche im Wort Gottes moralisch glatt zubügeln, weil wir es sonst nicht aushalten können?